... oder: warum du dich nicht zu sehr in deine Wünsche verlieben solltest

Allzuoft sind wir nicht zufrieden mit dem, was wir haben und was wir sind. Und das verursacht Spannungen und unangenehme Gefühle. Doch wer will sowas schon haben? Schließlich wollen wir uns doch wohlfühlen - und das ist auch unser gutes Recht!

Also kreieren wir uns Wünsche

Wünsche haben die Kraft, uns von hier nach dort zu bringen. Die Sache hat aber einen Haken: wenn ich mit dem 'Hier' nicht zufrieden bin und deswegen 'dort' hin will, wird mein 'Dort' ein neues 'Hier' sein, mit dem ich genauso so unzufrieden sein werde.

Weil - eigentlich geht es mir ja gar nicht so sehr um das Objekt des Wunsches, sondern viel mehr darum, aus dem 'Hier & Jetzt' zu fliehen. Denn irgendwie halten wir es hier nicht gut aus mit uns - da ist uns zuviel Trubel zwischen unseren beiden Ohren.

Wo die wilden Affen tanzen

In unserem Verstand geht es oftmals zu wie in einem Affenstall. Rast - und ruhelos springen unsere Gedanken von Ast zu Ast und jagen allen möglichen Begehrlichkeiten hinterher. Doch so sehr wir auch hin und her jagen, finden wir doch nie die richtige Erfüllung.

Denn unser Verstand hat die Tendenz, ständig unzufrieden zu sein und an allem herumzunörgeln, wie ein müdes, quengelndes Kind, das nicht so recht weiß, was es will.

Kaum haben wir die eine Sache erreicht, ist es uns schon nicht mehr genug, und die nächste muß in Angriff genommen werden.

Kaum haben wir uns das neue Spielzeug besorgt, wird es auch schon langweilig, und wir wollen ein neues.

Und bekommen wir das nicht, werden wir wütend, sind frustriert und enttäuscht - denn schließlich müssen wir das ja haben! Unser Verstand findet in seinem Hunger nach Befriedigung niemals Ruhe.

Die Folge? Unzufriedenheit = mit mir nicht in Frieden sein.

Der Gier ein Ende setzen

Nicht, dass Wünsche an sich schlecht wären. Wünsche sind wunderbar. Wenn wir Wünsche in Ziele verwandeln, die wir bewusst verfolgen können, setzt dies erstaunliche Wachstumsprozesse in Gang und bringt die Evolution voran.

Wenn sich Wünsche jedoch in Begierden verwandeln und wir unbedingt etwas tun müssen, um etwas bestimmtes zu sein (glücklich, zufrieden, ...), oder wenn wir erst etwas haben müssen, um etwas bestimmtes zu sein (glücklich, zufrieden, ...), dann leiden wir an unseren Mängeln und Unzulänglichkeiten.

Der taoistische Weise Deng-Ming Dao bringt es auf den Punkt:

"Wer dem Tao folgt, weiß, wie er sich von Begierde zu befreien, persönliche Mängel zu akzeptieren und geduldig daran zu arbeiten hat, um den Hunger des Geistes nach äußerer Befriedigung zu beseitigen."

Und der sanfte Zen-Meister Thich Nhat Hanh ergänzt dies auf wunderbare Weise:

"Das letztendliche Ziel des Lebens ist es, zu sein, das heißt, auf eine Weise zu leben, dass eine Zukunft möglich wird. Das Beste, was wir für unsere Zukunft tun können, ist, dass wir uns so gut, wie wir es vermögen, um den gegenwärtigen Augenblick kümmern. Wenn wir in den gegenwärtigen Augenblick investieren, dann investieren wir in die Zukunft.

Wenn wir ganz gegenwärtig sind und wenn wir uns um diesen Augenblick mit all unseren Möglichkeiten kümmern, dann ist dies das Beste, was wir tun können, um uns und anderen eine gute Zukunft zu sichern."

Entspannt präsent den Augenblick genießen

Wenn du also wieder einmal bemerkst, dass du wie angestochen irgendwelchen Begehrlichkeiten hinterher rennst, sage innerlich "Stop!"

Und entspann' dich.

Lehn dich zurück, atme ein paar Mal tief ein und aus und genieße den Augenblick.

Jetzt.

Hier.

Ganz entspannt genießen, was jetzt hier ist.

Genießen, was der Augenblick alles für dich bereit hält.

Und du wirst bemerken, dass genau jetzt absolut nichts fehlt.

Wann warst du das letzte Mal wunschlos glücklich?

Du musst nichts haben, um glücklich und zufrieden zu sein.

Du musst nichts tun, um glücklich und zufrieden zu sein.

Du kannst dich jetzt, in diesem Augenblick, dazu entscheiden, glücklich und zufrieden zu sein. Einfach so, weil du es so willst.

Und aus diesem Seins-Zustand heraus kannst du beginnen, deine Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen.

Es ist in Ordnung, wie es ist - und es geht weiter

Denn eins solltest du dir bewusst machen:

Du bist bereits völlig in Ordnung, so wie du bist.

Und du hast alles, was du brauchst, in diesem einen Augenblick.

Und das Leben drängt dich weiter.

Ein Paradox?

Ja.

Praktische Coaching-Tipps für den Alltag:

  • Erstelle eine Liste mit all deinen Wünschen; schreibe wild, spontan und ohne nachzudenken alles auf, was dir in den Kopf kommt.
  • Gehe deine Liste durch und finde die zehn wichtigsten Wünsche, die Sachen, die dir wirklich am Herzen liegen. Formuliere kraftvolle Ziele und richte dich darauf aus. Und dann lass los und erlaube dir, den gegenwärtigen Augenblick zu genießen
  • Ein Tipp zum Entspannen und loslassen: Zwischen einem Reiz - einem Impuls, der dir in den Verstand schießt und ein Verlangen auslöst - und der Antwort auf diesen Reiz gibt es immer eine Lücke. Dort hast du die Möglichkeit eine Entscheidung zu treffen. Du kannst dich z. B. fragen, ob

- du dieses Verlangen wirklich befriedigen mußt;

- du dieses Verlangen jetzt befriedigen mußt

- es dich deinen wahren Zielen näher bringt, wenn du dieses Verlangen befriedigst

 

Hinweis in eigener Sache:

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